Vaduz

Presentiment. Eine Installation von Victorine Müller im Kunstraum Engländerbau Vaduz.

Mit dem Engagement von Victorine Müller (Zürich) ist es gelungen, eine der international begehrtesten Performance-Künstlerinnen der Schweiz für das Projekt im Bauch des Wals zu gewinnen. Seit einiger Zeit werden aus den transparenten Elementen aus Plastik, welche der Performance-Künstlerin als Schauobjekte dienen, eigenständige Skulpturen, die mit Luft und Licht in den Raum gesetzt werden. Für den Kunstraum Engländerbau schuf die Künstlerin eine Gesamtinstallation, die eine transparente Skulptur und Figuren vereint.
 
„Presentiment“, nennt sie diese Installation. Der Begriff verweist auf Ahnungen zwischen Wissen und Beobachten, zwischen Wachen und Träumen. Die Installation im Kunstraum reagiert auf diese helle Tiefe, welche dem Raum eigen ist und ihn charakterisiert. Ein transparentes aufblasbares Objekt, zwischen Meduse und Wurzelwerk, breitet sich in dem Raum aus, geheimnisvoll beleuchtet mit Farben zwischen Grün und Blau. Umgeben wird dieses Objekt von filigranen Wesen zwischen Tier und Mensch, die mit ihren hundeartigen Köpfen und den spinnendünnen Armen an Fantasy und Trickfilm, aber auch an altägyptische Figuren aus dem Totenkult des antiken Ägyptens erinnern.

 

Vieles aus Victorine Müllers Schaffen erinnert an eine Welt zwischen Realität und Traum, zwischen Vorahnung und Vision. Die Auseinandersetzung mit den Werken der Künstlerin provoziert subtil eine Aufhebung der Zeit, um die Wahrnehmung in ganze andere Bahnen und Richtungen zu lenken. Die Objekte und Figuren durchschreiten scheinbar mühelos die Grenzen von historischen Epochen und nehmen Wissen von älteren Zeitschichten auf, da die Menschen Tier und imaginäre Sagenwesen noch nicht immer genau von einander trennen wollten. Dieser Aufhebung von Grenzen wohnt zudem eine Fragilität inne, sodass das Reden von der Entzauberung der Welt in Frage gestellt wird. Es ist dieser hybride Charakter von Victorine Müllers Objekten, die die Betrachtenden auf ihre ganz spezifische Art und Weise in ihren Bann ziehen.


Victorine Müller visualisiert Verborgenes, Vergessenes, sie entwickelt Zusammenhänge mit der Natur, indem sie kreatürliche Körper zu experimentellen Gegenständen macht. Dabei besitzen ihre Installationen nicht nur einen märchenhaften Aspekt. Die transparenten Objekte werden mit PVC-Folie und mittels aufwändiger Schweisstechnik herstellt und mit Gebläsen in Form gehalten. Die Beleuchtung verwendet alle Raffinessen der Lichttechnik, um den seltsamen Wesen ihren Charakter zu geben. 

Victorine Müller, Presentiment, Installation, 2010Übersicht auf die abgeschlossene Ausstellung: www.kunstraum.li  

Nachtblau II

Die Haut als Hülle interessiert die Schweizer Performerin Victorine Müller. Sie hat dazu im letzten Jahrzehnt eine Reihe von Performance-Arbeiten geschaffen, die diese Hülle im Sinne eines bildhaften Körpers in Szene setzen. Dabei stellt Victorine Müller aus PVC- Folie in aufwändiger Schnitt- und Schweisstechnik Objekte her,  die mit Luft in Form gehalten werden und in die sich die Künstlerin, gekleidet in einfarbige Kostüme, als zweiter Körper hineinstellt. In einem Elefant zum Beispiel sitzt sie in einem weissen Dress unbeweglich da, in einem neun Meter hohen Flügel liegt sie, in Nachblau II (erstmals aufgeführt 2008 in Genf) steht sie in einem blauen Kleid in dem an den ägyptischen König Osiris erinnernden Wesen. Die Performances von Victorine Müller vermitteln den Eindruck von angehaltener Zeit und rufen poetische Bilder hervor.

Victorine Müller, Nachtblau II, performative Skulptur; Dienstag, 8. Juni 2010, ab 21.30 Uhr, im Städtle vor dem Kunstraum Engländerbau Vaduz. 

Werkgespräch und Videovorführungen zur Künstlerin Victorine Müller im Kunstraum Engländerbau Vaduz

Bei Victorine Müllers künstlerischer Arbeit spielen Performances und Installationen eine zentrale Rolle, oft im Wechselspiel zwischen den beiden Medien. Mit ihren Werken findet sie zeitgemässe Darstellungen der menschlichen Figur, die sie in oder zwischen grosse transparente Hüllen oder Raumelemente positioniert. Licht in seiner suggestiven Wirkung und Transparenz sind weitere zentrale Element im Schaffen von Victorine Müller. Eine Tendenz zum menschlichen Fabelwesen, aber auch der Hang zu Sinnlichkeit, Traum und Spiritualität sind bei ihr thematisiert. In den letzten drei Jahren hat Victorine Müller die Skulpturen und Zeichnungen auch losgelöst von ihren Performances in musealen Räumen gezeigt, zuletzt im Kunstmuseum Solothurn (2008), Centre Pasquart Biel (2007) und in der Kunsthalle Wien, Projektraum Karlsplatz (2008). Die grossformatigen transparenten Objekte werden im Ausstellungsraum vor allem durch Theaterlicht in Szene gesetzt, was ihre Körperlichkeit verändert.


Am Dienstag, 6. Juli 2010 um 18.30 Uhr zeigt die Künstlerin verschiedenen Performance-Videos aus ihrem Schaffen und unterhält sich mit der Kuratorin der Ausstellung, Sibylle Omlin, über ihre Arbeit.

Simon Kindle/Sophie Hofer, Vaduz - my pleasure – es ist uns ein Vergnügen

Vaduz erhält eine neue Skulptur im öffentlichen Raum.  „Noch eine?“ werden viele denken.
Die Aktion / Performance Vaduz, my pleasure von Simon Kindle / Sophie Hofer thematisiert auf humorvolle Weise die skulpturale Möblierung des öffentlichen Raums.

Mit einer offiziellen Platzierung der Skulptur und deren Widmung an das liechtensteinische Kunstschaffen treten der junge Liechtensteiner Künstler Simon Kindle und  Sophie Hofer (CH) in ihrer Performance zeitgleich als Kunstschaffende, in einer Vermittlerrolle und als Kunstobjekt auf und setzen sich dabei mit Vergnügen dem Blick und Urteil des Publikums aus. Indem sie ihre erstmals 2008 präsentierte Arbeit + (positif, -iv) aufgreifen und diese in den Außenraum des Kunstraum Engländerbau auslagern, befragen sie die Grenze zwischen Kunstinstitution und öffentlichem Raum und sinnieren über die identitätsstiftende Wirkung  von Skulpturen im städtischen Raum.

Die Skulpturübergabe für Vaduz findet am Dienstag, 22. Juni um 17.30 im Rahmen der Ausstellung Im Bauch des Wals von Victorine Müller durch die Kunstschaffenden Sophie Hofer und Simon Kindle im Städtle Vaduz statt. 
 

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